Zyklopenmauern in Latium, Italien

Zum Artikel über die Zyklopenmauern von Alatri sollen folgende Ergänzungen hinzugefügt werden.

Zyklopisches Stadttor von Segni

In dieser Videoproduktion https://youtu.be/qV05fF9z1fQ werden über ein Dutzend weiterer Ortschaften im Raum Latium vorgestellt, welche alle Zyklopenmauern aufweisen. In dem Video wird auch das 400-seitige Buch „Latium vetus et adiectum. Architetture megalitiche“ von Daniele Baldassarre genannt, welches „weitere Dutzende“ Stätten mit Zyklopenmauern nennt. Eine Einsicht in das Buch muss noch erfolgen, legt aber nahe, dass wir es mit mindestens 3 Dutzend, also ca. 40 solcher Zyklopenmauern zu tun haben. Mancherorts sind die Mauern 3 km lang und besonders große Steine sollen 20 bis 30 Tonnen wiegen. Das entspricht den großen Megalithen von Stonehenge und Avebury. Die italienischen Zyklopenmauern sind also ein viel größeres Phänomen als im ersten Artikel erkannt. Das Ausmaß scheint auch größer als in Griechenland zu sein, von wo der Begriff Zyklopenmauer stammt.

Die klassische italienische Archäologie möchte diese Zyklopenmauern gerne den Römern und / oder Etruskern zuordnen. Oft bilden diese Mauern nämlich die Fundamente von Stadt- oder Tempelanlagen dieser Kulturen. Und hier wird es doch sehr vage, denn das würde ja bedeuten, dass die Etrusker und die Latiner beide Zyklopenmauern erbaut haben, um dann zu späteren Zeitpunkten den Baustil zu Mauerwerk mit kleinen Steinen zu ändern. In der Datierung legt man sich daher auf die frühen Zeiten dieser Kulturen fest, also ca. 800 – 500 vor Christus.

Die griechische Mythologie zu Zyklopenmauern besagt, dass der König Proitos die Befestigungsmauer von Tiryns (auf der Peloponnes) von Zyklopen aus Lykien (Gebiet westlich von Antalya) erbauen ließ. Die Erbauung Tiryns wird auf ca. 1600 v.Chr. datiert. Auch die Zyklopenmauern von Mykene sind aus dieser Zeit. Das ist dann wohl schon eher passend.

Tiryns Stadtmauer und Tor

Eine weitere griechische Spur ist die bereits im ersten Artikel erwähnt Akropolis von Athen, wo es eine Zyklopenmauer um das Gelände dieses Tempelberges gab. Diese Mauer ist als „Pelasgermauer“ bekannt, und entspricht eben den Merkmalen wie wir es typisch in Latium finden. Die Pelasger sind ein von Homer und anderen Geschichtsschreibern benanntes aber geschichtlich unbekanntes Volk, welches im vorklassischen Griechenland wirkte, eine Zeit vor dem Kollaps der Bronzezeit und dem dunklen Zeitalter das dem folgte. Also auch hier werden wir auf die Bronzezeit verwiesen. Mindestens.

Pelasgermauer um die Athener Akropolis

Alte Historiker sprechen auch davon, dass die Pelasger nach Italien kamen. Dionysius von Halicarnassus berichtet dieses im großen Detail. Dabei ist seine Aussage sehr interessant, dass zu dieser Zeit Italien den Namen Saturnia hat. Nun gibt es tatsächlich eine Stadt mit dem Namen Saturnia, und siehe da, sie hat eine Zyklopenmauer. Der Name steht im offensichtlichen Zusammenhang mit Saturn, dem Gott der Saat und des Ackerbaues. Und jetzt kommts: Alatri und eine Reihe anderer Städte sollen der traditionellen Überlieferung nach durch Saturn gegründet worden sein. Konkret sind das die Städte Anagni, Ferentino, Arpino und Atina.

Hier gibt es wieder Verbindungen nach Griechenland; erstens: der Titan Cronus ist die griechische Version von Saturn. Ein Titan als Städtebauer? Zyklopenmauern? Zweitens: Saturn wurde als flüchtiger Gott / Herrscher aus Griechenland gesehen, der in Latium bei Janus Zuflucht findet und zwar im vorrömischen Rom! Der Saturntempel in Rom wird von Vergil u.a. aus einer Zeit vor der Gründung Rom zurückgeführt, wo hier ebenfalls eine Ortschaft namens Saturnia war.

Aus mythologischer Sicht stammen die Götter Saturn/Cronus aus dem „Goldene Zeitalter“, wo der Mensch sorglos lebte, wie in einem Garten Eden. Für eine Datierung im modernen Sinne ist das sehr schwierig. Der griechische Dichter Hesiod führt dieses Konzept im 6. Jahrhundert vor Christus ein und wähnt die Menschheit in der Eisenzeit, also nach der Bronzezeit und Silberzeit im dritten Zeitalter nach dem Goldenen Zeitalter. Kurz, zu seiner Zeit, wäre die Errichtung der saturnischen Städte schon lange her.

Und mit Saturn als Gott der Saat sind wir in der Agrarkultur angelangt. Zeitlich wäre ein Saatgott ab 8000 vor Christus im Mittelmeerraum möglich. Die megalithische Kreisgrabenanlagen Göbekli Tepe in Anatolien wird auf 9.000 vor Christus datiert. Hier hat man bereits 20 Tonnen schweren Steine aufgestellt. Aber Göbekli Tepe bleibt bis jetzt ein Unikat und die heute Türkei weist kaum Zyklopenmauern auf, so dass Latium nach wie vor Spitzenreiter ist.

Vielleicht können wir es so zusammenfassen: die Zyklopenmauern sind voraussichtlich mindestens 1600 vor Christus entstanden, von einer unbekannten Kultur welche ggf. die mysteriösen Pelasger aus Griechenland waren und die Mauern mit oder ohne Hilfe der Zyklopen oder Saturn gebaut haben.

Quellen:

https://en.wikipedia.org/wiki/Pelasgic_wall

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Saturn_(Mythologie)

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